Frage zum Present Perfect Progressive (Hueber Großes Übungsbuch Englisch, S. 72)
Ich
habe eine Frage zu der o.g. Übung. Es geht um die Verwendung von Present Tense
und Present Perfect Progressive.
Die
beiden zu übersetzenden Sätze waren auf Seite 72 unter Übung 51f:
Ich habe Schmerzen im
Rücken.
Ich habe schon die ganze
Woche Schmerzen im Rücken.
Der
erste Satz sei nach dem Lösungsschlüssel korrekt übersetzt mit:
I've got / I have a
pain in my back.
Der
zweite Satz:
I've had / I have had a
pain in my back all week.
Meine
Frage: Ist es legitim, den zweiten Satz ebenso mit I've been having a pain in my back all week zu übersetzen?
Mir
scheint das plausibel zu sein. In Hueber Großer
Lerngrammatik heißt es auf S. 208: "Grundsätzlich gilt für das present
perfect progressive, dass es stets eine Handlung bezeichnet, die in der
Vergangenheit begann und in der Gegenwart noch andauert."
In
einem anderen Beispiel im Großen Übungsbuch
war die Lösung How long have you been
having trouble sleeping? ebenso erlaubt wie How long have you had trouble sleeping? (Seite 70, Übung 50o). Wo
ist da der Unterschied zu 51f oben?
Antwort
Da
haben Sie eine wirklich interessante Frage aufgeworfen. Daher möchte ich bei
der Beantwortung etwas weiter ausholen:
Zunächst
noch einmal die Grundbeobachtung, die ich in dieser Deutlichkeit meinem
verstorbenen Kollegen und gelegentlichen "grammatischen Lehrmeister"
Adolf Lamprecht verdanke: Die Entscheidung zwischen einfacher Form und
Verlaufsform ist eine Frage des Aspekts (NICHT der Aktionsart), d. h. es kommt
ganz wesentlich auf die Betrachtungsweise des Sprechers an. Berichtet er die
Handlung einfach sachlich als ein Faktum, so wird er die einfache Form wählen;
will er sie anschaulich-beschreibend (vielleicht emotional-beteiligt) darstellen,
so bedient er sich der Verlaufsform. Aus dieser Grundbeobachtung erhellt, dass
Tests, in denen der Lernende eine Entscheidung zwischen einfacher Form und
Verlaufsform fällen soll, "gefährlich" sind (jedenfalls, wenn es
dabei um Noten geht), denn der "Prüfling" kann sich in vielen Fällen
darauf berufen, dass er die Handlung eben "anders gesehen" hat, sein
"Aspekt" ein anderer war.
Wenn
wir als Lehrer Anfängern den Unterschied zwischen den beiden Formen erläutern,
tun wir eigentlich immer so, als ob einfache Form und Verlaufsform AKTIONSARTEN
wären. In Köln habe ich meinen Anfängern immer so etwas gesagt wie: Wenn die
Handlung gerade am "Ab-am-laufen" (Kölscher Dialekt!) ist, benutzen
wir die Verlaufsform: Sie is jrade die
Zeitung am Lesen = She is reading the paper. Dies ist eine zwar zunächst
hilfreiche, aber im Grunde viel zu mechanistische Regel, da sie so tut, als ob
die Wahl der Form von der Art des Ablaufs der Handlung abhängig wäre (Aktionsart).
Ich habe solche Eselsbrücken stets benutzt (und auch als Didaktiker verteidigt)
und die Brücke später fröhlich wieder eingerissen, tue das noch heute.
Ich
zitierte oben den Prüfling, der sich im Zweifel (wenn's um die Zensur geht)
häufig auf seinen vielleicht abweichenden Aspekt berufen kann. Damit
unterstelle ich, extrem betrachtet, dass theoretisch fast immer beide
Möglichkeiten gegeben sind – "es kommt eben auf den Aspekt, die
Betrachtungsweise an". Diese Unterstellung ist theoretisch einigermaßen richtig,
nicht aber praktisch. Damit meine ich: Die native speakers werden, wenn sie
einen gegebenen Sachverhalt ausdrücken wollen, mehrheitlich die eine oder die
andere Form wählen, d. h. entweder Aspekt "einfache Form" oder Aspekt
"Verlaufsform", je nach Lage der Dinge.
Damit
kommen wir zu der Entscheidung in der Sache, um die es hier geht: Kann statt
der im Schlüssel ausschließlich angegebenen einfachen Form auch die
Verlaufsform stehen? Dazu geht in meinem Kopf Folgendes vor:
1.
Mein Gefühl wehrt sich irgendwie gegen I've
been having a pain in my back all week.
2.
Mein Gefühl ist aber nicht genug, zumal ich kein native speaker bin.
3.
Ich teste, ob have hier
"besitzen" im weitesten Sinne bedeutet (dann wäre die Verlaufsform
ausgeschlossen. *I'm having a digital
camera ist unmöglich): Have a pain
bedeutet so viel wie experience a pain,
drückt hier also auf keinen Fall "besitzen" aus, weshalb der Gebrauch
der Verlaufsform theoretisch möglich erscheint.
4.
Nachdem der Gebrauch der Verlaufsform theoretisch möglich erscheint, prüfe ich
nun bei Google die Häufigkeit der verschiedenen Varianten. Das ergibt folgende
Zahlen (in der Reihenfolge der Häufigkeit):
I have a pain 968,000
I am having a pain 35,600
I'm having a pain 20,000
I've got a pain 995
I've had a pain 120,000
I have been having a pain 22,900
I've been having a pain 15,800
I have had a pain 831
I have a pain in my back 13,500
I've got a pain in my back 135
I am having a pain in my back 4
I'm having a pain in my back 3
I've had a pain in my back 10
I have had a pain in my back 5
I've been having a pain in my back 1
I have been having a pain in my back 1
5.
Aufgrund der Häufigkeitszahlen komme ich zu folgendem Ergebnis: Die Kollokation
have a pain kommt um ein Vielfaches
häufiger in der einfachen Form als in der Verlaufsform vor. Die
Häufigkeitsunterschiede sind so groß, dass es vertretbar erscheint, die
Variante mit der Verlaufsform im Schlüssel wegzulassen, da für den aktiven
Gebrauch nach Möglichkeit die hochfrequenten Formen gelehrt werden sollen.
Andererseits ist der Gebrauch der Verlaufsform, wie das Belegmaterial zeigt,
keineswegs ausgeschlossen, weshalb man diese Varianten in einem benoteten Test
nicht als falsch bewerten dürfte.
6.
Sie erwähnen auch noch von Seite 70 die Kollokation have trouble doing something. Bei dieser Kollokation ist die
Verlaufsform sehr häufig, sogar häufiger als die einfache Form. Da beide Formen
frequenzmäßig sehr viel näher beeinander liegen, werden hier im Schlüssel beide
Lösungen angeboten.
7.
Wie ist nun das Ergebnis hinsichtlich have
a pain grammatisch zu bewerten? Nun, bei Aussagen mit dieser Kollokation
scheint von den Sprechern mehrheitlich das sachliche Mitteilen einer Tatsache
beabsichtigt zu sein, kein "anschauliches Beschreiben" bzw.
"beschreibendes Verweilen". Daraus erklärt sich der überwiegende
Gebrauch der einfachen Form. Bei have
trouble (wo have ja übrigens auch
für experience steht) dagegen ist die
Redeabsicht "anschauliches Beschreiben mit größerer emotionaler
Beteiligung (Ärger!)" häufiger vorhanden und führt zum Gebrauch der
Verlaufsform. (Mit der Verlaufsform wird überhaupt häufig eine stärkere
emotionale Beteiligung ausgedrückt.)
Oh, Mr Durie, please
know when to shut up
By Tim Walker
(From: The Daily Telegraph)
Freddy Eynsford Hill may find Eliza
Doolittle's "small talk" enchanting in Sir Peter Hall's production of
Pygmalion at the Old Vic, but the Duke
of Edinburgh was somewhat less enamoured of Jamie Durie's.
When the Australian garden designer
and former stripper was presented to him at the Chelsea Flower Show this week,
The Duke said: "I like your tree fern." This was a classic example of
British small talk: a brief burst of soothing conversational Muzak. The normal
response would have been a smile and a "Thank you, sir," and, that
being that, the Duke would then have been at liberty to move on.
But Durie committed the unforgivable
solecism of responding to small talk with long talk. Worse, he also took it
upon himself to put the Duke right, which seemed in all the circumstances to be
the height of impertinence. "Actually," he said, "it's not a
tree fern. It's a member of the Cycad family. It's a Macrozamia moorei …"
As he continued to drone on, his distinguished interlocutor walked off and, in
my opinion, quite rightly so. The Duke was heard muttering under his breath:
"I don't want a bloody lecture."
And who on earth would? Only a
complete chump would have seriously thought that anyone - let alone the Duke of
Edinburgh, who has always had, at the best of times, the attention span of a
very busy gnat - would give a fig if the wretched thing were a fern or not.
Certainly, he didn't need all the technical lingo. In terms of the top most
stimulating subjects for conversation, tree ferns – or tree fern lookalikes –
must come somewhere close to 1,789,087th on the list.
I spend a large proportion of my life
going to parties for this newspaper's Mandrake diary and I feel more qualified
than most to tell this Australian the rules of modern British small talk. Think
of the exchanges as nothing more than primal grunts: one life form simply
acknowledging the presence of another life form. It isn't that we are rude, or
that we don't care: it is just that we are a people who prefer understatement
to overstatement, and, frankly, we just don't have the time for long
conversations with complete strangers, certainly not a herbert like him.
Britain would, after all, come to a
grinding halt if, every time someone alluded to the "nice weather we are
having", we should feel the need to give the full seven-day forecast,
complete with year-on-year comparisons and the usual boring commentary about
global warming.
Imagine if, when asked how we are, we
were to give them chapter and verse right down to the troublesome verruca on
our right toe? And what if we had the misfortune to have something terminal?
Should we mention that? Certainly not, because we know very well quite what a
downer it would put on the proceedings.
Crushing bores of Mr Durie's calibre
should be aware of the warning signals we British give out when we feel
cornered. A "lovely to have met you", said with finality, means
"actually, it has been perfectly vile to have had to make your
acquaintance and now will you please shut up and let me go before I sink into a
deep coma?"
People who say "we must do
lunch" also want to take their leave as a matter of urgency. Certainly,
the last thing they would want is to actually have you contact them afterwards
to try to get them to put something in their diary. "I really must
go" is not a phrase that means you should begin winding up, but should
shut up altogether and immediately.
When someone walks away from you, as
you are still warming to your tedious theme, then it means that you are frankly
beyond the pale and have forced – in the case of the Duke – a decent, kindly
old man into the nuclear option. I hope I have made my point, Mr Durie. Least
said, soonest mended and all that. The last thing I want to do is to go on
about it.